Joseph Beuys-ein rechter Künstler und Anthroposoph?
Datum: 28.06
Zeit: 20:00
Ort: Oscar Romero Haus (im Keller)
Von/Mit:
„Vielen ist Joseph Beuys (1921-1986) als Skandal-Künstler mit schmutziger Badewanne und Fettecke bekannt. Auch seine Kandidatur für die Grünen macht den niederrheinischen Bildhauer für einige zu einem linken Revolutionär, seine Entlassung als Kunstprofessor durch Johannes Rau zum volksnahen Märtyrer.
Was jedoch kaum bekannt ist und von den Beuys-Jünger/innen gerne verschwiegen wird, ist die Tatsache, dass der Künstler aktives Mitglied in Nazi-Organisationen (HJ, Wehrmacht) war und zunächst an einen neuheidnischen Pantheismus glaubte. Nach der deutschen Kapitulation in eine Depression gefallen, wird der Frontkämpfer Beuys nun Künstler und schließt sich der Anthroposopie an, der rassistisch-christlichen Esoterik Rudolf Steiners. Aus dieser Heilslehre entwickelt Beuys sein bekanntes, aber missverstandenes Dogma 'Jeder Mensch ist ein Künstler' und eine ihm eigene mystische Ästhetik der Naturmaterialien Filz, Fett, Honig, Erde, Metall und Stein.
Nach seinem künstlerischen Durchbruch mit der Fluxus-Bewegung und als Düsseldorfer Akademie-Professor nutzte Beuys seine Popularität für politisch-religiöse Zwecke. Er gründete mit Johannes Stüttgen die 'Deutsche Studentenpartei' und kandidiert erfolglos für die rechtsradikale Partei 'Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD)', die zum rechten Gründungsflügel der Grünen gehörte, für die er in den Bundestag einziehen wollte.
Doch auch ausserparlamentarisch blieb Beuys seiner ideologischen Traditionen treu und warb bis an sein Lebensende für seine Version der Anthroposophie und der 'Sozialen Dreigliederung'. Diese ständisch-völkische Weltsicht propagierte er in der nationalrevolutionären 'Aufbauinitiative Dritter Weg' (Achberger Kreis), in der Kunstausstellung documenta, der 'Freien Internationalen Universität' (FIU) und in seiner Initiative für Direkte Demokratie. Auf diesen Wegen drückte Beuys jahrelang besonders mit den Mitteln seines 'erweiterten Kunstbegriffs' seine politische Spiritualität mit dem rechten Kampfmittel der Querfrontstrategie aus.
In dem Vortrag geht es um die ideologiekritische Betrachtung der Lebens- und Werkgeschichte von Joseph Beuys anhand konkreter Beispiele, wie der Tartaren-Legende, der Vitrine 'Auschwitz-Demonstration' und den Objekten 'KZ-Essen'.
Literaturtipps: - Bierl, Peter: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik. Hamburg 1999 - Gieseke, Frank / Markert, Albert: Flieger, Filz und Vaterland. Eine erweiterte Beuys-Bibliographie. Berlin 1996“



